20090704

Franz-Scheikl-Klettersteig

Es freut mich, dass wir, Stefan Puchmann und ich, Chris Abl, wieder gemeinsam in den Bergen unterwegs waren. Unsere erste Tour nach einer einjährigen Verletzungspause auf Grund eines unkontrollierten 8 Meter Sturzes in ungünstigem Gelände am Kugelstein.

Der Plan war, über den Franz-Scheikl-Klettersteig auf den Hochlantsch (1720m) zu gehen. Von der S35 fährt man bei Mixnitz ab und weiter in Richtung Breitenau. Bei der Tafel rechts einbiegen:


Nachdem man die Schienen überquert hat, fährt man eine lange Straße (in schlechtem Zustand) bergauf, bis zu einem auffälligen Parkplatz. Für Parkplatz und Müllentsorgung wirft man hier einen Euro in eine Box. Daneben führt der Weg zum Hochlantsch. Zuerst überquert man eine Wiese und gelangt dann schnell in den Wald. Genügend Schilder führen uns, bei "Spaziertempo" in etwa 1,5h, direkt zum Einstieg:


Es war mein erster Klettersteig mit Klettersteigset. Für mich als Kletterer war es Anfangs gewöhnungsbedürftig, weil ich mir wie ein Hund an der Leine vorkam. Mein Klettersteigset erinnerte mich stets daran, dass die Linie bereits durch das Stahlseil vorgegeben war.
Hier sieht man Stefan im Einstieg:


In der Route findet man einen alten Normalhaken, der in einem Baum geschlagen wurde. Er drückt den Befestigungsirrsinn sehr gut aus, den man betreibt um Klettersteige anzulegen.

Ich wurde an eine alte Geschichte von Erzherzog Johann erinnert, die ich als Kind aufgeschnappt habe. Angeblich hat sein Gefolge für ihn Leitern mitgeschleppt, damit er bestimmte Gipfel überhaupt erklimmen konnte. Damals scherzten wir Kinder darüber, aber diese Einstellung besteht auch heute noch.

Es stimmt mich traurig, wenn ich im Fels alle 40cm einbetonierte, rostige Stahlsprossen sehe. Ein wirklicher Naturfreund würde es nicht über das Herz bringen, userer wunderschönen Natur solche Wunden zuzufügen. Das sind irreperable Schäden, die nicht schön anzusehen sind. Klettersteige sind wie Skipisten: Sie zerstören die Natur, und verfolgen zum Teil komerzielle Ziele der Bergführer sowie der gesamten Region. Ginge es nach mir, sollten weder neue Skipisten noch neue Klettersteige errichtet werden.

Die Diskussion darüber, wie viel Sicherung noch verträglich ist, gibt es bekanntlich schon lange. Mir ist es ganz pauschal dann zuviel, wenn übergreifendes Clippen möglich ist. Allerdings hat das Thema Absicherung nichts mit den künstlichen Steighilfen zu tun - gegen die ich mich hier ausspreche.


Von der ganzen Thematik einmal abgesehen, macht der Steig wirklich gute Laune, weil die Umgebung ruhig, erholsam und schön ist:


An dem Tag gelang mir auch diese wunderbare Fotografie von einem Alpensteinbock (Capra ibex). Allein wegen diesem Foto hat sich die Tour für mich ausgezahlt. Ich hätte nicht damit gerechnet, einmal einen Steinbock in dieser Pose vor die Linse zu bekommen. Für mich steht fest, dass es die beste Tier-Fotografie ist, die mir bisher gelang:


Bitte um Rücksprache mit mir, falls ihr das Bild verwenden wollt.
Der Bock im Profil:


Stefan genießt gerade eine tolle Passage:


Beim Abstieg kommt man über eine Gaststätte zu dieser kleinen und sehr ansehlichen Kirche: Schüsserlbrunn.


Auf der Rückseite findet man eine riesige, aufwändig-geschnitzte Holztafel voll interessanter Typografie:


Es folgen hunderte Holzstufen auf einem Steig, der durch einen angenehm schattigen Wald nach unten führt. Man kommt an einem kleinen Brunnen vorbei, um noch einmal für den letzten Teil des Abstiegs Kraft zu tanken.


Dieser Weg mündet noch im Wald, in die bereits vom Zustieg bekannte erste Weggabelung. Bis zum Parkplatz ist es nun nicht mehr weit - und es wartet bereits das kühle Nass auf uns, das aus einem Rohr in eine kleine Lacke fließt.
Kommentar veröffentlichen