20120808

Sturzfaktor



Seiltypen

Gemäß dem Zweck unterscheiden wir zwischen dynamischen Seilen, die für Kletterer bestimmt sind, und Seilen mit niedriger Dehnfähigkeit (statische Seile), die zur Sicherung bei Höhenarbeiten, zu Rettungszwecken und für Speläologie bestimmt sind. Produkte, die den gleichen Aufbau, jedoch einen kleinen Durchmesser (unter 8 mm) haben, werden als Schnüre oder Reepschnüre bezeichnet.


DER UNTERSCHIED ZWISCHEN EINEM STATISCHEN SEIL, EINEM KLETTERSEIL UND EINER REEPSCHNUR

Seile mit niedriger Dehnfähigkeit (EN 1891) werden allgemein als statische Seile bezeichnet. Sie sind für die Personensicherung bei Höhenarbeiten, für Seilzugänge, für Personenrettung, für Speläologie und andere ähnliche Tätigkeiten geeignet. Bei diesen Tätigkeiten ist es wichtig, dass das Seil eine minimale Dehnfähigkeit und maximale Festigkeit aufweist. Kletterseile - dynamische Seile (nach EN 892) - sind zum Auffangen von Stürzen der Kletterer bestimmt und deshalb ist für diese eine bestimmte Dehnfähigkeit wichtig, die mit dem resultierenden Fangstoß verknüpft ist - der Fangstoß wird in den Köper des Kletterers sowie in das den Sturz auffangende System übertragen. Bei der Verwendung von statischen Seilen zum Auffangen von Stürzen entstehen bedeutend höhere Fangstöße.


Schnüre dienen nicht der Sicherung von Kletterern gegen Sturz, sondern nur zu Hilfszwecken (z.B. für Prusikschlingen), da sie mit ihrem Durchmesser, ihrer Tragkraft sowie in der Fähigkeit, die Sturzenergie zu dämmen, die allgemeinen Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen.

Was ist der Sturzfaktor?
Der Sturzfaktor (nachstehend als f gekennzeichnet) beeinflusst stark die Lebensdauer des Seils und definiert sich wie folgt:


Der Sturzfaktor kann standardmäßig zwischen f = 0 bis f = 2 liegen, ein höherer Wert kann bei der Bewegung einer in einen festen Ankerpunkt auf dem Seil fixierte Person nicht eintreten. Nur beim Besteigen sog. Via Ferrata - gesicherter Klettersteige kann eine Situation eintreten, in der der Sturzfaktor einen höheren Wert als zwei haben kann, und zwar wenn sie mit einer kurzen Seilschlinge am Sicherungsseil (z.B. Stahlseil) gesichert sind. In einer Situation, wenn der Abstand zwischen den Ankerpunkten des Seils 5 m beträgt und die Seilschlinge 1 m lang ist, kann der Wert des Sturzfaktors bis zu f = 7 erreichen! Der Fangstoß steigt auf eine unzumutbare Grenze und die Schlinge kann reißen oder der Bergsteiger schwer verletzt werden. Auf Klettersteigen wird also ein spezielles Set mit einem eingebauten Falldämpfer verwendet, der den Fangstoß dämmt. Bei den von uns gelieferten Via Ferrata - Sets erreicht der Fangstoß max. 5 kN.

Grafische Darstellung der Sturzfaktoren:


Fangstoss

Der Fangstoß hängt insbesondere von dem Seilaufbau, dem Sturzfaktor, dem Gewicht des Kletterers sowie von der Art und Weise, wie gesichert wird, ab. In der Realität steigt der Fangstoß mit der Zahl der aufgefangenen Stürze, aber auch mit dem Seilalter. Die Werte des Fangstoßes, die auf die letzte Zwischensicherung wirken, können dank der Summe der Kräfte (Zug vom Stürzenden und Zug vom Sichernden) fast doppelt sein. Damit muss jeder Kletterer beim Anlegen der Zwischensicherungen rechnen.
Aus dem gesagten ergibt sich die Bemühung, den Fangstoß, der beim Sturz den Kletterer und das Sicherungssystem belastet, beim praktischen Klettern maximal zu reduzieren.




Wie kann der Fangstoß reduziert werden:
•    die erste Zwischensicherung so früh wie möglich anbringen und damit den Sturzfaktor reduzieren,
•    den Sturzfaktor während der gesamten Besteigung niedrig halten - Zwischensicherungen in kleinen Abständen,
•    das Seil durch die Sicherungspunkte locker führen (mit minimaler Reibung), sodass es beim Auffangen des Sturzes in der gesamten Länge wirken kann,
•    Falldämpfer an den Zwischensicherungen verwenden - insbesondere beim Eisklettern und bei der Ausnutzung von natürlichen Sicherheitspunkten,
•    eine dynamische Vorgehensweise bei Auffangen von Stürzen verwenden, wozu Übung und Erfahrung notwendig sind.

ACHTUNG! Den Stutz eines Kletterers können nur dynamische Kletterseile auffangen, die in der Lage sind, die Fallenergie zu absorbieren. Nie statische Seile, starke Reepschnüre oder Bandschlingen verwenden! Auch ein kurzer Sturz in eine statische Schlinge stellt eine enorme Belastung des Kletterers sowie des Sicherungssystems dar und kann zur Zerstörung des Ankerpunktes führen. Vorsicht also bei der Bewegung auf dem Stand, falls wir an den Ankerpunkt mit einem statischen Gurt gesichert sind (sog. Sitzschlinge).
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